…Zucker macht dick und doof…

okay, das ist vielleicht etwas zu reisserisch formuliert. Das fand ich übrigens auch, als ich den Titel des Buches „Garantiert gesundheitsgefährdend – wie uns die Zuckermafia krank macht“ im Buchladen in der Auslage gelesen habe. Ich hab’s trotzdem gekauft. Der Autor Hans-Ulrich Grimm ist Wissenschaftsjournalist und hat denselben Nachnamen wie ich, letzteres war übrigens tatsächlich ausschlaggebend für meinen Kauf.

2013 habe ich mich hiermit zum ersten Mal ernsthaft mit dem Thema „Zucker“ auseinandergesetzt .

In dem Buch wird Zucker aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: wirtschaftlich, politisch und selbstverständlich auch aus gesundheitlicher Sicht. Mittlerweile sind die wissenschaftlichen Belege für die negativen Auswirkungen des Zuckers auf unsere Gesundheit erbracht und auch allgemein bekannt – Zucker gilt als Treiber für das so genannte Metabolische Syndrom, also Übergewicht beziehungsweise zu viel Bauchfett, erhöhte Blutzuckerwerte, erhöhte Blutfettwerte und erhöhte Blutdruckwerte und damit Hauptursache vieler Zivilisationskrankheiten wie zum Beispiel Diabetes Typ II.

Besonders aufmerksam wurde ich auf die Tatsache, dass Gerontologen einen Zusammenhang von hohem Zuckerkonsum mit Demenzerkrankungen vermuten und Hirnforscher zum Teil auch schon nachweisen konnten, dass zu viel Zucker die Gehirnleistung beeinträchtigt. Das hat mich sehr schockiert, denn in meiner Zeit als Freiberuflerin hatte ich sehr viel mit dem Thema Demenz zu tun. Ich habe viele Betroffene kennengelernt, aber auch Wissenschaftler, Pfleger/innen und Einrichtungen, die sich mit dieser Erkrankung beschäftigen. Wer schon einmal einen dementen Menschen innerhalb der eigenen Familie erlebt hat, weiß, wovon ich rede. Dieses Schicksal möchte man nicht selbst erleiden.

Damals habe ich neben weiteren Recherchen vor allem eines gemacht: zum ersten mal meinen Zuckerkonsum bewusst eingeschränkt.

Vermutlich hatte ich meinen Lebensbedarf an Zucker sowieso innerhalb meiner ersten 30 Lebensjahre schon überschritten. Als Kind der Siebziger bin ich mit einer Süssigkeiten Freizügigkeit aufgewachsen, die heute unvorstellbar ist. Ich konnte auch tatsächlich riesige Massen an Schokolade und Bonbons verdrücken, ohne dass es mir schlecht wurde. Die Mütter waren recht unbedarft – dass Süssigkeiten so schädlich sind, war damals einfach nicht bekannt. Und so gab es auch bei uns – nach dem Zähne putzen und vor dem Schlafen gehen, das so genannte „Betthupferl“ – also noch eine kleine Süssigkeit. Auch Kinder-Kummer wurde gerne mal mit einem „Schokolädchen“ geheilt.

Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass man sich in der Schule vor Prüfungen mit Süssigkeiten „fit“ gegessen hat. Heute weiß ich, dass die Erschöpfung nach mehrstündigen Klausuren nicht nur von der Prüfung kam, sondern vor allem dem rapide absinkenden Blutzuckerspiegel geschuldet war – der verzweifelt noch mehr Zucker einforderte! Also gab’s nach der Klausur gleich noch ein „Raider“.

Die Zeiten sind schon längst vorbei. Was mir geblieben ist, ist leider eine ungesunde Art, Kummer und Stress mit Heißhunger auf Süssigkeiten zu bekämpfen. Und meine wirklich innige Liebe zu Schokolade. Heute bevorzuge ich allerdings die ganz dunklen Sorten ab 80% Kakao-Anteil.

Seit 2013 habe ich meinen Zuckerkonsum schon deutlich zurückgeschraubt. Ein Effekt stellte sich damals sehr schnell ein: Mir erscheint heute ziemlich vieles viel zu süß, was ich früher gerne gegessen habe. Die Geschmacksnerven regenerieren sich doch recht schnell und stellen sich auf weniger Zucker problemlos ein.

Vermutlich esse ich trotzdem noch zu viel davon. Die WHO empfiehlt nicht mehr als 25 g freien Zucker am Tag zu sich zu nehmen, das ist ein gehäufter Esslöffel – da ist man schnell dabei! Zum Frühstück ein Marmeladebrötchen, beim Mittagessen den Nachtisch in der Kantine mitnehmen, dann noch ein oder zwei Snacks zwischendurch…. schon lange über dieser Menge! Über den versteckten Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln haben wir noch gar nicht gesprochen.

Ich meine es endgültig sehr ernst, Zucker muss (aus meinem Leben) weg!

Am heutigen Tag habe ich schon seit fünf Tagen keinen Zucker mehr gegessen. Die Effekte sind deutlich zu spüren. Ich hatte zwei Tage lang Kopfschmerzen – das sind echte Entzugserscheinungen! Zucker ist das einzige Lebensmittel, das süchtig macht!

Wie man der Droge Zucker endgültig entsagt, teste ich nun am eigenen Leib. Auf Süsskram verzichten ist eine Sache, die andere ist die psychische Abhängigkeit. Ich muss dringend Strategien für mich entwickeln, wie ich Stress und Kummer ohne Zucker bewältigen kann. Das finde ich deutlich schwieriger.